Leben wie Gott in Frankreich

Auszug aus dem Krimi „Im Zeichen der Zwillinge“

…Am nächsten Morgen zeigte sich die Provence wieder von ihrer besten Seite. Die Sonne strahlte, kein Wölkchen trübte den tiefblauen Himmel, die Temperatur war noch angenehm frisch. Clara kümmerte sich um das Frühstück, während Jonas zum Nachbaranwesen ging, um die Katzen zu versorgen.

Als sie losfuhren, war es richtig heiß geworden, das Thermometer im Touring zeigte schon über 30 Grad. Sie öffneten das Schiebedach, ließen die Scheiben herunter, der Fahrtwind umschmeichelte die Urlauber, die die kurvige Fahrt auf engen Nebenstraßen durch die hügelige, von hellen Felsen durchzogene Landschaft der Alpilles, der Alpenkette des Parc Naturel Régional des Alpilles genossen. Die Sonne strahlte vom azurblauen Himmel. Silbergrün glänzten die Olivenbäume im Sonnenlicht, mit Weinreben bedeckte sanfte Hügel wechselten sich ab mit der wilden Garrigue, einer Strauchregion, bewachsen mit würzig duftenden Kräutern und niedrigen Sträuchern, die genügsam auf dem steinigen Boden gedeihen. Durchs offene Schiebedach erklang das unermüdliche Zirpen der Zikaden.

Heute war das Ziel Mas St. Bernard, ein Weingut in der Nähe von Maussane, malerisch gelegen unter dem trutzigen Massiv von Les Baux, dem leider viel zu bekannten und von Touristen überlaufenen Ort mit engen Gässchen, der als eines der Plus Beaux Villages de France gilt, als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Die imposante Burgruine aus dem 11. Jahrhundert liegt auf einem Hochplateau, das 200 m steil aus der Hügelkette der Alpilles emporragt. Von dort oben bietet sich ein grandioser Ausblick übers Land, soweit die Touristenmassen dies im Hochsommer überhaupt zulassen.
Nach dem Einkauf beim Winzer ging die Fahrt weiter nach Eygalières. Wie immer am Markttag war der Parkplatz am Ortseingang rappelvoll. Die Stände reihen sich entlang der Hauptstraße durch den Ort, das Angebot an Produits Regionaux, regionalen Erzeugnissen, ist groß und wegen der Qualität und Auswahl bei den Einheimischen ebenso beliebt wie bei den zahlreichen gut situierten Ausländern, die sich hier in der Gegend angesiedelt haben. Auch Touristen schätzen das Ambiente des kleinen, aber feinen Marktes. Die malerisch dekorierten Marktstände mit den verführerischen Düften der Provence locken Käufer wie Schaulustige gleichermaßen an.

Beim Käsemann mit der riesigen Auswahl an französischen Köstlichkeiten stehen immer viele Kunden an, die nicht nur gut beraten und bedient werden wollen, sondern dabei auch ein Schwätzchen und Späßchen zu schätzen wissen. Das gehört in der Provence einfach dazu. Einkaufen ist hier kein notwendiges Übel, sondern Genuss mit allen Sinnen. Clara und Jonas hatten die Qual der Wahl. Sie entschieden sich für Chèvre, einen cremigen Ziegenweichkäse, St. Marcellin, einen würzigen Rohmilchkäse, sowie Cantal, einen deftigen Hartkäse.

Sie schlenderten vorbei am Gewürzstand, sogen all die betörenden Düfte ein, hier vermischten sich provençalische mit orientalischen Duftnoten.
Ihr nächstes Ziel war der Gemüsestand, frisch und farbenfroh türmten sich die Produkte der provençalischen Gärten vor ihnen auf. Clara war begeistert vom reichlichen Angebot an reifen Früchten, Gemüse aller Art, Tomaten, reif und prall, von grün über gelb bis knallrot, ein Formen- und Sortenreichtum, den es nur hier in der Provence gibt.
Nachdem sie ihren Einkaufskorb mit Obst, Gemüse, Tomaten und Kräutern gut gefüllt hatten, zogen sie beschwingt weiter zum Lachsmann. Meist stehen vier bis sechs Leute geduldig an dem kleinen Stand am Ende des Marktes an. Hier gibt es Lachs von allerbester Qualität und Frische. Der Lachsmann, ein uriger Typ aus Marseille, immer freundlich und gut gelaunt, ist ein richtiges Showtalent. Mit witzigen Sprüchen, Geschichten aus seinem Leben und Gesangseinlagen verkürzt er den Kunden die Wartezeit. Mit einer Stunde Anstehen muss man schon rechnen. Doch das lohnt sich, vor allem wenn man im Urlaub alle Zeit der Welt hat.
Hier gibt es feinsten Räucherlachs, zart und hauchdünn geschnitten. Eine besondere Delikatesse ist das Carpaccio vom frischen Lachs. Die Scheiben sind so dünn, dass sie fast schon transparent sind. Zu Hause mit einem Spritzer Zitrone, etwas Fleur de Sel, dem handverlesenen Meersalz aus der Camargue und dem ausgezeichneten Olivenöl von Les Baux mariniert, mit frischem Baguette serviert, ist es ein Hochgenuss par excellance. Einfach, aber allerbeste Zutaten, dazu einen gut gekühlten erfrischenden Rosé, was gibt es Besseres?

 

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