Leseprobe 3

„Im Zeichen der Zwillinge“

Im 8. Kapitel „Experten und beste Freunde“ des Krimis treffen sich Jonas Winter und Joe Moser in Miami. Joe erläutert den Hergang des tödlichen Autounfalls von Patricia und Steve, sie analysieren die verworrenen Ereignisse. Für Joe war es eiskalter Mord. Als Ironie des Schicksals sieht Joe die Tatsache, dass er durch einen glücklichen Zufall einem Flugzeugabsturz in den Everglades entgangen war.

Leseprobe 3

Jonas und Joe begrüßten sich in der ITaNS-Zentrale herzlich, sie hatten einander zwei Jahre nicht mehr gesehen. Zum persönlichen Gespräch mit Jonas schlug Joe vor, einen kurzen Abstecher in die Everglades zu machen. Er bat Jonas, seine Sachen im Büro zu lassen und mit ihm im BMW loszufahren. Jonas wunderte sich, da nur noch fünf Stunden vor Abflug der Maschine nach Frankfurt blieben, willigte aber ein, nachdem Joe ihm den Grund nannte: Er wollte Jonas die Unfallstelle zeigen, an der Patricia zu Tode kam.
Zusammen fuhren sie los und Joe eröffnete das Gespräch:
»Weißt du, es gibt noch einen anderen Grund, warum wir hier rausfahren in die freie Natur. Und ich hoffe, du hast dein Handy zurückgelassen.«
»Ja schon, welchen Grund gibt es noch?«
»Ich muss immer damit rechnen, dass ich von der National Security Agency im Büro in Miami oder auch anderswo abgehört werde und ich möchte dich da keinesfalls mit hineinziehen. Hier im Freien können wir offen alles bereden.«
»Wieso hat die NSA dich im Visier?«
»Du weißt doch, wir bieten bei ITaNS eine Chipkartentechnologie an, die geheime Schlüssel erzeugen kann und aus Europa kommt. Das interessiert die NSA natürlich.«
»Du bist doch jetzt ausgestiegen, also nicht mehr im Fokus.«
»So einfach ist das leider nicht, sowohl was die Chipkarten als auch die NSA anbetrifft, verfüge ich über Insiderwissen, also werde ich weiter gescannt.«
»Heißt das, dass die NSA den Algorithmus zur Schlüsselerzeugung kennt?«
»Jonas, verstehe das bitte, auch wenn wir hier nicht abgehört werden, kann ich dazu nichts sagen. Es würden mir im Zweifelsfall hohe Haftstrafen drohen.«
»Okay, bei uns in Deutschland würde der BND das womöglich ähnlich handhaben.«
»Wahrscheinlich. Allerdings wurden in den USA nach 9/11 2001 die Spähaktionen stark ausgeweitet. Seitdem herrscht hier Krieg gegen den Terror. Und die technologischen Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.«
»Was fürchtet die NSA von dir?«
»Erst mal gar nichts. Ich habe ja mehrfach Kontakt mit NSA-Mitarbeitern, auch höheren Ranges, gehabt. Aber ich bin eben Wissensträger, der sein Wissen unerwünschten Personen oder Organisationen oder Staaten weitergeben könnte. So einfach ist das.«
»Das heißt aber doch, dass du in deiner Freiheit eingeschränkt bist.«
»Ich sehe das nicht so dramatisch, bin aber wie jetzt mit dir vorsichtig, um niemanden zu belasten. Die NSA ist ja eine Riesenbehörde. Offiziell heißt es, 35 000 Mitarbeiter arbeiten dort, aber das stimmt nicht.«
»Sondern?«
»Mehr, viel mehr.«
»Na ja, ich bewundere, dass du das so lässig siehst.«
»Der Durchschnittsamerikaner weiß das alles nicht, aber man hat hier auch ein anderes Verhältnis zum Datenschutz als in Deutschland. Sicherheit und Terrorbekämpfung haben absolut Vorrang.«
»Tauschen NSA und BND Informationen aus?«
»Davon kannst du ausgehen.«
»Kannst du dich erinnern, in unserer Studienzeit hast du mir die Abhörstation in Bad Aibling gezeigt? Das fanden wir beide damals ziemlich spannend. Jetzt wirst du selbst abgehört. Wird diese Station eigentlich noch aktiv betrieben?«
»Ich denke ja.«
»Vom BND?«
»Die EU hatte da auch ihre Finger drin. Die Anlage sollte aber 2002 geschlossen werden. Dann passierten die Anschläge 9/11. Daraufhin hat man eine gemeinsame Fernmeldeaufklärung von NSA und BND beschlossen.«
»Gilt das heute noch?«
»Ich vermute, nein ich bin mir ziemlich sicher.«
»Anderes Thema. Joe, ich habe vom Vorstand den Auftrag, dich dazu zu bewegen, doch bei ITaNS weiterzumachen.«
»Ehrt mich, dass man sich um mich bemüht.«
Joe ließ, während er den Tamiami Trail in Richtung Westen fuhr eine Weile vergehen, bevor er weiter sprach:
»Ich weiß, ich hatte einen tollen Job hier, aber Patricias Tod hat mein Leben total verändert. Ich kann das nicht beschreiben, aber auch nicht ignorieren. Ich möchte ihr Lebenswerk unbedingt fortführen, ich fühle mich irgendwie schuldig an ihrem Tod.«
»Schuld an ihrem Tod?«
»Erklär ich später, wie ich das meine.«
»Deinen früheren Job betreffend sieht man es bei uns in Deutschland so, dass du eben der Spiritus Rector und gleichzeitig Motor des US-Geschäfts warst. Der Vorstand ist in Sorge, weil kein anderer zur Verfügung steht, der annähernd das Engagement und die fachliche Qualifikation mitbringt wie du.«
»James Scott ist auf gutem Weg. In einem halben Jahr vermisst mich keiner mehr.«
»Ist das wirklich dein letztes Wort?«
»Tut mir leid, ja!»
»Schade, schade … ich hoffe nur wir bleiben trotzdem in persönlichem Kontakt.«
»Keine Frage, Hand drauf!«
Eine Weile fuhren sie wortlos weiter, jeder in seine Gedanken versunken.
Jonas brach das Schweigen:
»Sag mal, was heißt das, du fühlst dich schuldig an Patricias Tod?«
Joe schluckte und brauchte eine Weile bis er antworten konnte:
»Wegen dieser Scheißerfindung habe ich sie doch gebeten, spätabends zusammen mit Steve von Naples nach Miami zu fahren … In einer Meile sind wir da, am Unfallort. Ich bin überzeugt, es war kein Unfall, es war Mord.«
»Weshalb, wegen dieser Erfindung? Wäre sie sonst in Naples geblieben?«
»Ja natürlich. Steve und ich waren verrückt, wir dachten, wir könnten mit dieser Erfindung das gesamte Autorisierungs- und Abrechnungsverfahren für Kreditkarten revolutionieren.«
»Wie das denn?«
»Mit dem Einsatz unserer neuesten Chipkartentechnologie kombiniert mit einem Trust-Center und einem ausgeklügelten Verfahren, das eben in dieser Erfindung spezifiziert war.«
»Noch habe ich nicht verstanden, warum Patricia und Steve nach Miami kommen mussten.«
»Das war ja das Verhängnis, ich erklär es später. Schau, jetzt sind wir hier am Unfallort angekommen. Patricia fuhr in Richtung Miami auf der anderen Fahrspur. Sie war wohl schneller unterwegs als die zugelassenen 55 Miles/h, das ließ sich aus der Bremsspur ableiten. Die Bremsspur zeigte auch, dass sie nach links ausweichen musste. Vermutlich kam auf ihrer Spur ein großes Fahrzeug entgegen. Patricias Chevrolet prallte gegen die linke Leitplanke, überschlug sich, flog über die Leitplanke und kam in dem dahinterliegenden Kanal auf dem Dach zu liegen.«
»Schrecklich! Und die beiden?«
»Ich kämpfe immer noch mit den Tränen. Patricia und Steve tot. Schwer verletzt und dann ertrunken. Ergebnis der Obduktion.«
»Warum meint man, dass ein großes Fahrzeug entgegenkam?«
»Das Miami-Dade County Police Office untersuchte den Unfallort und fand Beschädigungen auch an der rechten Leitplanke und Teile, die offensichtlich von einem Scania-Truck stammten, mehr als 30-Tonner. Allerdings konnte nicht bewiesen werden, ob diese Beschädigung bei dem Unfall passierte oder schon vorher. An Patricias Chevrolet wurden keine Beschädigungen durch einen Lkw festgestellt. Die Polizei fahndete dann auch in sämtlichen Scania-Stützpunkten in Florida, später sogar US weit nach Reparaturen, ohne Ergebnis.«
»Und warum meinst du, dass es Mord war?«
»Steves Laptop wurde nicht gefunden.«
»Musste der denn dabei sein?«
»Na ja, das war doch der Knackpunkt. Steve wollte die Erfindungsunterlagen per E-Mail von Naples nach Miami schicken, natürlich verschlüsselt. Aber ich misstraute der Verschlüsselung.«
»Aber wieso das denn, ihr verwendet doch RSA 1024, das ist absolut knacksicher.«
»Hundert Prozent sicher ist gar nichts. Es gibt immer wieder Sicherheitslücken, die noch nicht erkannt sind und schlimmer noch ist, dass ein Missbrauch definitiv nicht nachweisbar ist. Nimm einfach zur Kenntnis, dass ich Gründe hatte, zu misstrauen. Genau deshalb bat ich ja Patricia mit dem Auto nach Miami zu kommen, Steve mitzunehmen und natürlich auch seinen Laptop mit allen Details der Erfindung.«
»Wenn du nicht Joe, unser absoluter Security-Spezialist gewesen wärest, würde ich jetzt Zweifel an dieser Darstellung haben. Mehr und mehr verstehe ich nun auch, dass dich Patricias Tod immer noch so mitnimmt.«
»Es verfolgt mich Tag und Nacht, ich muss damit leben und versuchen langsam Abstand zu gewinnen.«
»Ist das FBI eingeschaltet worden?«
»Nein, es ging ja nicht um die nationale Sicherheit oder Interessen der USA. Das Florida State Police Office war eingeschaltet. Das ist sozusagen die Kripo hier.«
»Gibt es Ergebnisse oder Erkenntnisse?«
»Das Police Office in Miami hält mich auf dem Laufenden. Überzeugende Aufklärung gibt es bis dato nicht. Jonas, da hätte ich eine Bitte an dich. In der Woche vor diesem Unfall hatten wir mit einigen Kreditkartenorganisationen und Zahlungsabwicklern diesen Workshop im Qualiton Golf Resort. Nachdem Steve herauszufinden versuchte, welche Auswirkungen unsere Erfindung auf die existierenden Systeme haben würde, sind plötzlich zwei Teilnehmer ohne Begründung abgereist. Es ist zu fürchten, dass Steve zu viel über diese Erfindung durchsickern ließ. Ich habe das auch den County Police Leuten mitgeteilt, die gehen aber offensichtlich ihren eigenen Fährten nach. Zurück im Büro gebe ich dir die Namen der beiden, vielleicht könnten Recherchen bei ITaNS da etwas mehr Licht ins Dunkel bringen.«
»Mache ich gerne. Sag mal Joe, du hast doch maßgeblich zu dieser Erfindung beigetragen. Auch wenn die Unterlagen jetzt verloren sind, könntest du das doch wiederherstellen und zu Ende bringen.«
»Definitiv nein, für mich ist mit dieser Erfindung Patricias Tod verbunden. Das werde ich nie vergessen. Mich interessiert nur noch, wer diesen Mord inszeniert hat und mit welchem Motiv.«
»Mord oder Unfall ist ja wohl noch nicht geklärt.«
»Mein Bauchgefühl und die Indizien sprechen eindeutig für Mord«, widersprach Joe eindringlich.
»Woher sollte der vermeintliche Mörder denn wissen, wo Patricia zum Unfallzeitpunkt genau gefahren ist.«
»Dazu gibt es Möglichkeiten. Entweder an ihrem Wagen war ein GPS-Peilsender angebracht …«
»Den hätte die Polizei doch gefunden.«
»So wie der Laptop gestohlen wurde, konnte der Mörder natürlich auch einen Peilsender entfernen.«
»Hm, welche Möglichkeiten gibt es noch?«
»Beide hatten ihre Handys bei sich.«
»Ja und?«
»Aufgrund der Empfangssignale der Mobilstationen – Handys suchen ja automatisch ständig die nächstgelegene Mobilzelle – lässt sich die Ortsveränderung und Fahrgeschwindigkeit ermitteln.«
»Geht das so genau, und diese Informationen haben doch nur die Telefongesellschaften?«
»Mit entsprechenden Extrapolationsmethoden kann die Ortsbestimmung ziemlich genau berechnet werden. Ja stimmt, diese Infos entstehen und existieren nur bei den Telecoms. Aber sind die abhörsicher?«
»Na ja, das scheint mir eher unwahrscheinlich. Kann es denn nicht auch sein, dass Patricia telefoniert hat und dabei irgendwie die Kontrolle über den Wagen verloren hat?«
»Dass sie oder Steve telefonierten, konnte man ausschließen. Die Handys wurden untersucht. Das hätte man feststellen müssen. Und Patricia wusste, dass sie abgehört werden kann.«
»Und der vermeintliche Mörder, der im entgegenkommenden Truck saß, der musste doch mit einem Zusammenprall rechnen, der ihn selbst schwer verletzt hätte.«
»In einem Truck mit 30 Tonnen ist dieses Risiko kalkulierbar. Ich vermute aber, der Unfall wurde mit Fahrspurwechsel im letzten Moment geplant, mit hektischem Aufblinken, sodass ein Ausweichen Patricias nach links wahrscheinlich war. Der Truck schrammte dabei noch rechts die Leitplanke.«
»Ich hoffe für dich, dass sich das alles noch zweifelsfrei klären lässt.«
Beide Männer waren aus dem Auto ausgestiegen und blickten traurig und geschockt auf die Unfallstelle. Jeder in seine Gedanken vertieft, seine Argumente und Aussagen nochmals reflektierend. Bis Joe die Denkpause unterbrach:
»Jonas, jetzt muss ich dir noch etwas zeigen, es ist die Ironie des Schicksals.«
Wieder kämpfte Joe mit den Tränen. Dann fuhr er fort:
»Dort auf der rechten Seite gerade 400 Meter weiter … ich fahre da jetzt hin … wurde 1999 eine Gedenkstätte errichtet, das Memorial ValuJet Flight 592. Am 11.5.1996 stürzte eine DC 9 der ValuJet Airlines kurz nach dem Start vom Miami International Airport auf dem Flug nach Atlanta unweit von hier in den Everglades ab.«
»Ich glaube, ich erinnere mich, das ging damals durch sämtliche Medien.«
»Es waren mit der Crew 110 Menschen an Bord. Keiner überlebte.«
»Was war die Ursache für den Absturz?«
»Zunächst vermutete man einen Terrorakt. Später wurde aufgeklärt, dass fünf gefüllte Sauerstoffkanister im Cargo Raum waren – was nicht zulässig war – die dann wegen einer Beschädigung neben Sauerstoff auch enorme Hitze und schließlich Feuer erzeugten.«
»Wodurch wurden die Kanister denn beschädigt?«
»Tja, das ist nach meiner Erinnerung nie endgültig geklärt worden.«
»Schlimm!«
»So hier sind wir, wie du siehst hat das Memorial ein Bodenpflaster in Dreiecksform. Darauf stehen 110 Steinsäulen, jede repräsentiert einen Passagier. Einer davon hätte ich sein können, dann wäre Patricia noch am Leben.«
»Wie kommst du denn darauf?«
»Es war so: Ich hatte am 11.5.96 genau diesen Flug ValuJet 592 gebucht, um in Atlanta einen Kunden zu treffen. Die Maschine flog aber nicht pünktlich ab, es gab irgendwelche technischen Probleme. Während ich im Gate saß und wartete, rief meine Sekretärin an und teilte mir mit, dass der Kundentermin geplatzt sei. Also flog ich nicht mit, fünf Minuten später war Boarding.«
»Wow, so spielt das Schicksal! Ich verstehe nur nicht, was das mit Patricias Tod zu tun haben soll. Der Absturz passierte doch mehr als fünf Jahre vorher.«
»Das stimmt schon, aber wenn‘s mich damals erwischt hätte, wäre sie jetzt noch am Leben.«
»Na ja Joe, so kann man’s zwar sehen. Andererseits solltest du dich nicht für alles verantwortlich fühlen. Das ist Schicksal, das Leben geht weiter!«
»Ich muss es einfach schaffen, darüber hinwegzukommen. Aber das dauert noch.«
»Ich wünsch es dir.«
»So Jonas, aus meiner Sicht haben wir alles ausgetauscht, dann fahren wir jetzt zurück ins Büro und anschließend zum Airport.«
»Eins interessiert mich jetzt doch noch Joe. Gesetzt den Fall, die Erfindung wäre zum Patent angemeldet worden und sie wäre technisch umgesetzt worden, was hätte das denn für Auswirkungen auf die Kreditkartenorganisationen und andere Finanzdienstleister?«
»Ganz erhebliche! Jede Organisation hat heute ihre eigene Lösung. So gut so schön, die verdienen damit auch noch gutes Geld, je mehr Transaktionen, desto mehr Dollars. Verbraucher und Händler werden zur Kasse gebeten. Mit unserer Erfindung wären alle proprietären Lösungen obsolet geworden!
»Wie das denn!?«
»Das Verfahren der Erfindung hätte es ermöglicht, mit nur einem Trust Center und nur einer Clearing-Plattform das gesamte Processing von Kreditkarten auszuführen. Allerdings hätten teilhabende Organisationen neue Kreditkarten auf Basis unserer Chipkarten mit den internen Verschlüsselungsfunktionen herausgeben müssen.«
»Aber das wäre doch ein Riesenaufwand gewesen.«
»Die Karten müssen ohnehin ausgewechselt werden. Die jetzige Generation ist zu unsicher geworden. Was glaubst du, welche Schäden durch Betrügereien entstehen?«
»Keine Ahnung.«
»Alle Zahlen, die veröffentlicht werden, sind gelogen! Aus Gründen des Vertrauens werden die Schäden drastisch nach unten korrigiert. Es geht in die Milliarden.«
»Okay, wenn ich dich richtig verstanden habe, profitieren die Verbraucher und Händler, aber doch auch die Kreditkartenorganisationen.«
»Durch die neuen Karten, ja. Aber etablierte Dienstleister, welche die Autorisierung und das Processing durchführen, würden ihr Geschäft verlieren.«
»Kapiert!«
Bei der Rückfahrt wurde nicht viel gesprochen, beide Männer hingen ihren Gedanken nach. Nur Joe erklärte hin und wieder etwas über das Sumpfgebiet der Everglades, er hatte ja vieles von Patricia gelernt und in gemeinsamen Ausflügen mit ihr erlebt.
Jonas wollte Joe schließlich noch über das Gespräch mit Walter informieren.
»Joe, ich hatte ein kurzes Gespräch mit Walter Metzlau, nachdem James sich negativ über ihn geäußert hatte.«
»Ach ja?«
»Er hat eine Mordswut auf dich!«
»Ja Walter, das ist ein schwieriges Kapitel.«
»Was ist der Grund?«
»Weißt du, er ist der Einzige, den ich seinerzeit aus Deutschland in die USA mitgenommen habe. Und zwar aus gutem Grund. Er ist ein Spitzenmann! Keiner kennt sich so gut mit dem Chipkartenbetriebssystem aus wie er, keiner kann ihm bei der Programmierung Paroli bieten. Er ist für das Geschäft hier unverzichtbar.«
»Warum hast du ihn dann nicht als deinen Nachfolger vorgeschlagen?«
»Er ist ganz und gar introvertiert, die Kommunikation ist nicht seine Stärke. Das wäre eine falsche Entscheidung gewesen. Auch sein deutscher Akzent, und auf der anderen Seite hatte James eine Reihe bester Connections aus der Zeit, als er im MIT Media Lab gearbeitet hatte.«
»Wo auch Steve war?«
»Ja genau.«
»Und Walter hat es sehr geärgert, nein er war sogar wutentbrannt, dass du ihn nicht vollständig in die Erfindung eingeweiht hast, wo er doch angeblich den wichtigsten Part mit NetCert ausgearbeitet hatte. Er war sich sicher, dass diese Erfindung seiner Kompetenz eine weltweite Wertschätzung eingebracht und sein Leben gravierend verändert hätte.«
»Ja, das kann er mir vorwerfen. Natürlich wäre er als Co-Erfinder angemeldet worden. Es war einfach eine Frage der Logistik und Geheimhaltung, dass er nicht in das letzte Detail eingeweiht war, verstehst du?«
»Klar, mir musst du das nicht erklären.«
»Mir tut das schon leid für Walter, er muss aber akzeptieren, dass ich mit dieser Erfindung nichts mehr zu tun haben will.«
»Joe, ich glaube, du solltest aufpassen. Er hat geäußert, dass er mit dir noch eine Rechnung offen hat.«
Joe wurde nachdenklich und meinte dann:
»Nicht alles, was man im Leben macht, ist richtig. Ich kann aber nicht aus meiner Haut.«
Auf der Fahrt zum International Airport traute sich Jonas doch noch das Thema Beratung anzusprechen.
»Joe, ich habe verstanden, dass für dich eine Rückkehr zu ITaNS nicht infrage kommt. Dann gäbe es aber noch die Möglichkeit, dass du uns als externer Berater zur Verfügung stehst. Ich meine nicht Fulltime, eher von Fall zu Fall, wenn wir deine Expertise dringend brauchen.«
Joe überlegte lange und sagte dann:
»Ich möchte darauf heute keine Antwort geben. Die nächsten Monate sicherlich nicht. Ich widme mich jetzt erst voll und ganz der Hotelkette. Wie das nach einem Jahr aussieht, weiß ich nicht.«
»Okay, verstehe ich, lass uns in Kontakt bleiben. Der Vorstand wird darüber natürlich nicht erbaut sein.«
»Leg ein gutes Wort für mich ein, du machst das schon.«
»Darauf kannst du dich verlassen. Ich wünsche dir in deinem neuen Umfeld gutes Gelingen und Tatkraft. Die Zeit wird dir helfen, deine Trauer zu überwinden.«
»Danke, du bist und bleibst ein echter Freund! Wie geht es denn eigentlich Clara?«
»Danke gut. Sie arbeitet an einem Krimi, spielt in Frankreich, natürlich in der Provence, du weißt, ist doch ihre Lieblingsgegend. Dass ich’s nicht vergesse, ich soll dich herzlich von ihr grüßen.«
»Danke, liebe Grüße auch an sie. Ich hoffe sie bald mal wieder zu sehen.«
»Wäre schön, vielleicht auch in Deutschland?«
Die Männer umarmten sich wortlos, Jonas drehte sich um und ging zum Check-in. Der Airbus 320 der Lufthansa flog pünktlich um 17.30 Uhr nach Frankfurt ab.

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